Als ich Lucies Tisch zum ersten Mal sah, stand er dunkel und schwer da: fast schwarz gebeizt, mit einem verschlissenen klassisch grünen Tuch darauf. Auf der Bande stand ein Name — E.J. Riley Ltd, Accrington — auf einem schlichten Aufkleber, nicht mehr das Original. Zwei Dinge passten nicht mehr zu ihr, sagte Lucie sofort: diese schwere, dunkle Farbe und dieser Aufkleber.
Die Beize selbst war keine hundert Jahre alt. Irgendwann war das Holz auf Wunsch ihrer Eltern dunkel gebeizt worden — davor trug der Tisch aber seine eigene, natürliche Eichenfarbe. Genau die wollte Lucie zurück: in ihrem vintage-modernen Interieur wirkte die schwere, dunkle Oberfläche schlicht zu wuchtig.
Normalerweise arbeite ich beim Kunden zu Hause — ich fahre hin, und meistens reicht das völlig. Aber dieses Holz auf seine ursprüngliche Farbe zurückzubringen hieß: komplett abbeizen und von Hand schleifen, und das macht man nicht mal eben in jemandes Wohnzimmer. Also habe ich ausnahmsweise den Tisch zerlegt und in meine eigene Werkstatt mitgenommen.
Es wurde Abendarbeit. Nach meinen Tagen bei Kunden kam ich nach Hause, aß und fing an zu schleifen. Mehrere Abende hintereinander, über einige Wochen verteilt, bis die Eiche unter der Beize wieder ihre eigene, warme Farbe zeigte. Die tragenden Balken darunter — eine Art Kiefer — bekamen eine mattschwarze Lackschicht und einen Lack, wie man ihn auf Bootsdecks verwendet, damit sie aushalten, was ein Leben lang Getragenwerden mit sich bringt.
Das klassische Grün machte Platz für etwas Frisches: Strachan Simonis 861 in Puderblau — bewusst als Gegenpol zu der dunklen Vergangenheit gewählt, die gerade weggeschliffen worden war.
Den Namensaufkleber habe ich nicht einfach wieder angebracht. Ich habe “E.J. Riley Ltd” in der Originalschrift am Rechner nachgezeichnet und diesen Namen dann mit einem Laser ins Holz gravieren lassen — echter als der Aufkleber, der noch darauf war, und ein Detail, das der Herkunft dieses Tisches gerecht wird.
Riley selbst begann 1897 als gewöhnliches englisches Sportgeschäft in Accrington und baute bald eigene Tische — in den 1920er Jahren einer der größten Tischbauer Englands. Die Firma gibt es nicht mehr: sie ging Anfang der 2000er insolvent, und der Markenname ging danach an andere. Mit dem “Riley” von heute hat dieser Tisch also nichts zu tun — er stammt noch aus dem echten, ursprünglichen Haus.
Ein letzter Schritt kommt noch: die Taschen bekommen demnächst ein dezentes Upgrade in Lederoptik anstelle der originalen Netze — modern genug, um gut auszusehen, vorsichtig genug, um nichts vom Original zu beschädigen.
Genau deshalb mache ich diese Arbeit gern. Nicht jeder Tisch, der zu mir kommt, ist neu, und das muss er auch nicht sein — manchmal ist das Schönste, was man tun kann, ein Stück Geschichte wieder so spielen zu lassen, wie es gedacht war.
Haben Sie selbst einen Tisch mit einer Geschichte? Ich komme gern unverbindlich vorbei, um ihn anzusehen. Kontakt aufnehmen